Koordinierter Überspannungsschutz für PV-Anlagen
Ein wirkungsvoller Überspannungsschutz beginnt mit der abgestimmten Platzierung von Überspannungsschutzgeräten (SPDs) gemäß dem EMV Zonenkonzept nach IEC 62305 4 (LPZ 0A bis LPZ 2). Dabei wird die maximal zulässige Restspannung in jeder Zone auf die Stoßspannungsfestigkeit der angeschlossenen Betriebsmittel abgestimmt in Übereinstimmung mit den Anforderungen aus IEC 60364 4 44 Abschnitt 443.6.2.
Stoßspannungsfestigkeit gemäß Überspannungskategorie (IEC 60364 4 44 443.6.2):
- Kategorie I (1,5 kV): Empfindliche elektronische Betriebsmittel mit direktem Anschluss an die feste Installation
- Kategorie II (2,5 kV): Üblicherweise an die elektrische Anlage angeschlossene Betriebsmittel
- Kategorie III (4,0 kV): Feste Installationskomponenten und Geräte mit hoher Verfügbarkeit

Anwendung je SPD Typ
Typ 1 SPD – Blitzstrom Ableite
Anwendung beim Übergang von LPZ 0A nach LPZ 1, wenn Kabel über eine Gebäudehülle mit äußerem Blitzschutzsystem oder leitfähiger Stahlkonstruktion eingeführt werden.
- Leitet einen Blitzstrom ab (10 350 µs)
- Restspannung < 4 kV
- Installation in der Hauptverteilung
- Immer in Kombination mit Typ 2 und gegebenenfalls Typ 3 SPDs verwenden
Typ 1+2 SPD – Kombinierter Ableiter
Wird eingesetzt bei direkt angeschlossenen Geräten, häufig als kompakte Lösung an der Gebäudegrenze.
- Leitet Blitzstrom und Überspannung durch Induktion ab (10 350 µs + 8 20 µs)
- Restspannung < 1,5 kV
- Geeignet bei maximaler Kabellänge von 5 Metern
- Kombinierter Schutz von Typ 1, Typ 2 und in bestimmten Fällen Typ 3
Achtung: Diese Kombiableiter sind ausschließlich für Anwendungen mit kurzer Distanz zwischen SPD und angeschlossenen Betriebsmitteln geeignet.
Typ 2 SPD – Überspannungs Ableiter
Wird in der Hauptverteilung oder in Unterverteilungen installiert, zum Schutz vor Überspannungen durch Feldverkabelung oder induzierte Ströme.
- Anwendung beim Übergang von LPZ 0B nach LPZ 1 oder LPZ 2
- Restspannung abgestimmt auf Kategorie II oder III
- Erforderlich in Endstromkreisen und bei Feldverkabelung
Typ 3 SPD – Geräteschutz am Endverbraucher
Lokal einsetzen, so nah wie möglich an empfindlicher Endausrüstung (LPZ 2). Schutz vor Restinduktion oder Überspannungen, die nach Unterverteilungen auftreten können.
Installationsrichtlinie
Wenn die Verkabelung aus einer mit Typ 1 oder Typ 1+2 geschützten Verteilung stammt und innerhalb derselben EMV Zone bleibt, mit einer Kabellänge < 15 Metern, ist eine zusätzliche SPD in der nachfolgenden Verteilung meist nicht erforderlich.
Wenn kein äußeres Blitzschutzsystem (LPS) vorhanden ist, wird keine Typ 1 SPD installiert. Der Schutz beginnt dann mit Typ 2.
Sie benötigen Unterstützung bei der Auslegung oder Auswahl von SPDs für Ihre PV Anlage? Kontaktieren Sie uns unter info@conduct.nl oder telefonisch unter +31 180 531120. Unsere Spezialisten beraten Sie gerne.